Rhein / Waal August 2017

Veröffentlicht 08.09.2017

Kanutour Rhein/Waal August 2017

Donnerstags abends: Es hat fast den ganzen Tag geregnet. Nach einem langen arbeitsreichen Tag sind wir beim Emmericher Kanuverein angekommen und können unsere Zelte fast ohne Niederschlag aufbauen. Anschließend verbringen wir einen gemütlichen Abend im Vereinsheim der Emmericher Kanuten. Abendessen, Planung der Logistik für die folgenden drei Tage und Besprechung der ersten Ettappe bis hinter Nijmegen (36 km) und viele andere Themen. Nun kriechen wir in die Schlagsäcke, während der Regen leise aufs Zelt trommelt.

Freitag: In der Nacht hat es immer mal wieder geregnet, zudem begleitete uns der Lärm der umliegenden Industriebetriebe durch die Nacht. Am Morgen gesellte sich noch das Gepolter des Containerhafens hinzu, es hatte aber aufgehört, zu regnen. Bezüglich des Umsetzens hatten wir uns gegen die umweltfreundlichere Variante mit Bus und Bahn entschieden, da dies umständlicher und deutlich zeitaufwändiger gewesen wäre. Um den Aufwand am ersten Tag - wegen der Länge der Strecke - gering zu halten, wurde vorerst nur ein Auto zum ersten Tagesziel gebracht. Den glücklichen "Nicht"-Fahrern blieb so ein wenig mehr Zeit fürs Frühstück, das Abbauen der Zelte und das Beladen der Boote. Mit vereinten Kräften trugen wir die acht beladenen Boote über die lange steile Treppe auf den Schwimmsteg. Gegen 11.00 Uhr waren wir dann alle auf dem Wasser und paddelten aus dem Containerhafen heraus auf den Rhein. Für drei der Kanuten eine neue Erfahrung und so war die Anspannung anfangs besonders groß, nachdem wir die Uferpromenade von Rees und die Reeser Rheinbrücke ohne Probleme passiert hatten, fiel sie dann auf ein "Normalmaß" zurück. Bei trockenem Wetter und gelegentlichem Sonnenschein konnten wir nun den spröden Charme des Niederrheins genießen: ein breiter schnell strömender Fluss mit viel Schiffsverkehr in einer überwiegend flachen dünn besiedelten Landschaft. Einige Hügel als Überbleibsel der letzten Eiszeit sieht man im Hintergrund. Schon nach kurzer Stecke wird der "Bovenrijn" zum Grenzfluss, rechts die Niederlande, links Deutschland. Nach 12 km erreichen wir den Abzweig nach Kleve. Über den links einmündenden Altrheinarm und den anschließenden Spoykanal kann man mit dem Boot Kleve erreichen. Nach der Einmündung erreichen wir mit Millingen den ersten niederländischen Ort am linken Ufer des Rheins. Kurz danach zweigt nach rechts der Pannerdenskanaal ab, wir folgen weiter dem Hauptstrom, der nun Waal heißt. Inzwischen ist es Mittagszeit. Die Sonne scheint, rechter Hand liegt ein breiter Sandstrand, dahinter ein paar Bunker. In gebührendem Abstand zu einem gewaltigen Stier legen wir zu Pause an. Bei einem Erkundungsgang stellt sich heraus, dass es sich bei den Bunkern um das Fort Pannerdens handelt. Wer Zeit hat, kann das zugehörige Museum besuchen und anschließend im Restaurant neue Kräfte sammeln. Wir stärken uns lieber am Strand an dem, was wir dabei haben. Nach unserer Pause paddeln wir 15 km durch drei weite Bögen bis wir die erste Brücke vor Nijmegen erreichen. Unterwegs sehen wir einige Kieswerke und viele Sandstrände, die mal von Pferden und mal von Rindern bevölkert sind. In Nijmegen fällt uns auf, dass auch hier der Stadthafen zu einen "edlen" Wohnquartier umgebaut wird. Der Containerhafen liegt zentrumsfern am links abzweigenden Maas-Waalkanal. Als wir Nijmegen passieren, können wir in fünf Kilometern unseren Campingplatz am rechten ufer liegen sehen, denn ab hier fließt der Waal lange geradeaus. Unser Ziel, der Campingplatz "De Grote Altena" ins sehr ordentlich und gut gepflegt. Das Trekkerfeld liegt in einer kleinen Senke. Darum angeordnet ist eine Reihe von Stellplätzen mit Wohnwagen und noch eine Etage höher ist eine Reihe mit Mobilheimen, alle mit unverbaubarem Blick auf uns Trekker. Wir sollten für unsere Vorstellung mal mit der Mütze rumgehen ;-)

Samstag: Die ganze Nacht über hat es immer wieder geregnet und das sollte auch am Vormittag so bleiben. Die geplante Etappe für den Tag ist mit 27 km relativ kurz, genau wie die für den folgenden Tag, für den aber noch die Heimfahrt anstand. So machten wir den Samstag zum Umsetztag. Zunächst flüchteten wir aber vor dem Regen zu einem gemeinsamen Frühstück in den gemütlichen Lesepavillion. Nach dem Frühstück fuhren unsere drei Fahrer mit dem vorgebrachten Auto zum Kanuverein in Emmerich, dann mit drei Autos und Hänger nach Zaltbommel und mit einem Auto zurück nach Oosterhout. Wir sechs glücklichen konnten nun in aller Ruhe einpacken und uns anderen Dingen widmen. Irgendwann saßen wir dann alle wieder in dem gemütlichen Lesepavillion - soetwas sollte es auf jedem Campingplatz geben. Nach einer gefühlten Ewigkeit waren die Fahrer wieder da und als wir um 14:00 Uhr aufs Wasser gingen, hatte sich der Regen verzogen, nur ein frischer Westwind war geblieben. Das weckte bei uns wenig Begeisterung, da wir für die anstehende Tagesetappe 27 km fast wie am Lineal nach Westen paddeln mussten. Wind gegen den Strom ist ein gutes Rezept für ordentlichen Wellengang; die zusätzlichen Wellen durch den starken Schiffsverkehr waren dann das Salz in der Suppe. Unsere beiden "Rheinfrischlinge" meisterten die Herausforderung aber bravurös, obwohl sie ohne Steueranlage unterwegs waren. Nach fünf Kilometern Fahrt passierten wir die Brücke der A 50, nach weiteren fünf Kilometern legten wir am linken Ufer an einem schönen Sandstrand zu einer Pause an. Nach der Pause wechselten wir ans rechte Ufer. Nach einiger Zeit fuhr uns ein Frachtschiff verdächtig dicht auf, obwohl wir ganz dicht am Ufer paddelten. Wie sich bald herausstellte, wollte er uns nicht überholen, vielmehr rechts in den Übernachtungshafen "Ijzendoorn" einlaufen. Mit unseren Kräften waren wir einigermaßen am Ende und zählten nun jeden Kilometer: drei Kilometer bis zur Brücke der M 323, drei Kilometer bis zum Amsterdam-Rijnkanaal und dann noch zwei Kilometer zum Ziel bei Tiel. Geschafft! Nein, noch nicht ganz. Das Aussetzen am Ende des Lingekanaals war wegen der steilen Böschung und des anschließend zu überwindenden Zauns noch einmal ein echter Kraftakt! Da war die Wanderung mit Boot und Bootswagen zum 1.000 Meter entfernten Minicamping "Tussen de Dijken" fast schon Erholung;-) Mit dem Abendessen wurde es diesmal spät. Mit vollem Bauch bin ich dann noch mit Dirk auf Wanderschaft gegangen, um nach einer besseren Einsatzstelle zu suchen. Zurück kamen wir bei Dunkelheit und trafen den Rest der Gruppe im Aufenthaltsraum bei Jan, dem Campingplatzbetreiber. Vor sich auf dem Tisch ein "Hertog Jan", einem Bier aus einer kleinen Brauerei in Arcen. Prost!

Sonntag: So um sechs Uhr herum meint der Hahn, wir hätten genug geschlafen und fängt an zu krähen, was das Zeug hält. Ich stehe trotzdem erst um 7:30 Uhr auf und der Erste. Das Zelt ist klatschnass, obwohl es nicht geregnet hat, dafür ist es nebelig. Bis zum Frühstück ist der Regen verzogen und ich bewundere erst einmal Jürgens selbstgebauten Hobokocher (Ein Hobokocher, auch Hobo-Ofen, ist eine Feuer- bzw. Kochstelle, die nach dem Kamineffekt funktioniert. Er ist benannt nach den Hobos, nordamerikanischen Wanderarbeitern. => Wikipedia). Das Teil ist aus einem Edelstahlbesteckkorb zu € 1,50 gebastelt und funktioniert erstaunlich gut, um Wasser zum Kochen zu bringen. Nach dem Frühstück und dem inzwischen routiniert verlaufenden Packen der Boote machen wir uns auf eine etwas längere Wanderung mit den Booten. Unser Ziel ist ein Altwasser etwas flussabwärts, dass gut mit dem Bootswagen zu erreichen ist und mindestens eine Verbindung zum Waal hat. Ein Weg geht auf direktem Weg durch einen Bypass zum Waal, wir entscheiden uns für die zweite Variante und fahren auf dem Altwasser bis zum Ende. Zwischendurch wird das Wasser arg knapp, letztlich erreichen wir aber den Waal, ohne auszusteigen. Am letzten Tag unserer Tour haben wir wieder mehr Glück mit dem Wetter: überwiegend heiter mit wenig Wind. Wir paddeln zunächst für etwa neun Kilometer in Richtung SSW, dann folgt ein 90 Grad Bogen nach rechts und ein 45 Grad Bogen nach links, bevor es noch einmal für rund 13 Kilometer in Richtung Westen geht. Die Strömung ist weiterhin ganz ordentlich, wie wir an den vielen Tonnen feststellen können. Wir sind kaum einen Kilometer auf dem Waal, da erreichen wir etwas verwundert eine Fahrwasserteilung. Die Ausschilderung ist eindeutig: Sportboote rechts. Bei der angezeigten Wassertiefe von 2,3 Metern haben wir keine Schwierigkeiten zu erwarten. Die rund drei Kilometer lange Teilung trennt uns durch eine Steinschüttung von der Berufsschifffahrt. Das rechte Ufer ist dafür ein naturbelassener Sandstrand, an dem sich zahlreiche Rinder tummeln. Nach weiteren zwei Kilometern passieren wir eine kleine Fähre (VV Voetveer/Fietsveer). Am südlichsten Punkt der Tagesetappe erreichen treffen wir auf einen weiteren Verbindungskanal zur Maar, die hier nur einen Kilometer neben dem Waal fließt. Nach der Hälfte der Tagesetappe machen wir an einem schönen Sandstrand in ruhiger Lage (keine Autos, keine Industrie, keine Flugzeuge – nur ein paar Schiffe) unsere Pause, die bei den Bedingungen gerne auch etwas länger sein darf  Irgendwann müssen wir dann aber doch weiter. Nach gut drei Kilometern erreichen wir gleichzeitig mit einem der vielen Flusskreuzfahrtschiffe die Brücke der A 2 / Eisenbahnbrücke vor Zaltbommel, einen niedlichen Städtchen mit einer malerischen Altstadt, das bereits im Jahre 850 als Dorf Bomela Erwähnung fand. Da wir noch eine längere Autofahrt vor uns haben, gönnen wir uns hier keine weitere Pause und paddeln die letzten sieben Kilometer unserer Tour bis Zuilichem bei Flusskilometer 943, wo unsere Autos auf uns warten.